LCA, PCF und PEF: Unterschiede einfach erklärt
Gesetze und Richtlinien
LCA, PCF und PEF sind verwandte Methoden, unterscheiden sich aber im Umfang und in der Standardisierung. Eine LCA (Life Cycle Assessment) bewertet Umweltwirkungen von Produkten oder Dienstleistungen über den gesamten Lebenszyklus, ein PCF (Product Carbon Footprint) fokussiert sich ausschließlich auf die Treibhausgasemissionen eines Produktes, und PEF (Product Environmental Footprint) ist eine EU-Methodik, die LCA-Prinzipien stärker vereinheitlicht, um Ergebnisse vergleichbarer zu machen.
Was haben PCF, LCA und PEF gemeinsam?
Alle drei Ansätze denken in Lebenszyklen – von Rohstoffen bis End-of-Life – und brauchen dieselben Grundentscheidungen. Dazu gehören: Ziel und Anwendungsfall, funktionale Einheit (was wird verglichen?), Systemgrenzen (z. B. cradle-to-gate vs. cradle-to-grave), Datenqualität, Allokationsregeln und Annahmen. Genau diese Festlegungen entscheiden, ob Ergebnisse belastbar und überhaupt vergleichbar sind. Diese Logik entspricht dem LCA-Rahmen nach ISO 14040/14044, auf den sowohl PCF (ISO 14067) als auch PEF aufbauen.
Was ist eine LCA (Life Cycle Assessment)?
Eine Life Cycle Assessment (LCA) – auch Lebenszyklusanalyse oder Ökobilanz genannt – ist die umfassende Methode zur Bewertung der Umweltwirkungen eines Produkts über seinen gesamten Lebenszyklus. Im Unterschied zum PCF (Product Carbon Footprint) betrachtet die LCA nicht nur die Klimawirkung, sondern mehrere Umweltwirkungskategorien gleichzeitig (u. a. Klimawandel, Ozonabbau, Toxizitäten, Feinstaub, ionisierende Strahlung, Versauerung, verschiedene Eutrophierungstypen, Land-/Wassernutzung sowie Ressourcenverbräuche). Der Lebenszyklus reicht von der Rohstoffgewinnung über Produktion, Transport und Nutzung bis zur Entsorgung oder zum Recycling. Welche Phasen einbezogen werden, hängt von den definierten Systemgrenzen ab (z. B. Cradle-to-Gate oder Cradle-to-Grave). Grundlage sind die Normen ISO 14040 und ISO 14044.
Methodisch umfasst eine LCA vier Schritte:
Festlegung von Ziel, funktionaler Einheit und Systemgrenzen
Erfassung aller Stoff- und Energieflüsse (Sachbilanz)
Bewertung in Umweltwirkungskategorien
Interpretation und Ableitung von Verbesserungen
Was ist ein PCF (Product Carbon Footprint)?
Der Product Carbon Footprint (PCF) misst die gesamten Treibhausgasemissionen eines Produkts über dessen Lebenszyklus. Im Gegensatz zur LCA konzentriert sich der PCF ausschließlich auf eine Wirkungskategorie: das Treibhauspotenzial (Global Warming Potential, GWP). Das Ergebnis wird in CO₂-Äquivalenten (CO₂e) angegeben. Wie bei der LCA werden auch beim PCF die relevanten Lebensphasen berücksichtigt – von der Rohstoffgewinnung über Herstellung und Transport bis zur Nutzung und Entsorgung. Welche Abschnitte tatsächlich einbezogen werden, hängt von den definierten Systemgrenzen ab (z. B. Cradle-to-Gate oder Cradle-to-Grave). Methodische Grundlage ist die Norm ISO 14067, die auf den allgemeinen LCA-Standards ISO 14040 und ISO 14044 aufbaut. In der Praxis wird der PCF häufig als Einstieg in die produktbezogene Umweltbewertung genutzt. Er ermöglicht es Unternehmen, Emissions-Hotspots entlang der Wertschöpfungskette zu identifizieren, Scope-3-Emissionen transparenter zu machen und gezielte Dekarbonisierungsmaßnahmen abzuleiten.

Was ist ein PEF (Product Environmental Footprint)?
Der Product Environmental Footprint (PEF) ist eine von der Europäischen Kommission entwickelte Methodik zur Bewertung der Umweltwirkungen von Produkten über ihren gesamten Lebenszyklus. Inhaltlich basiert der PEF auf den Prinzipien der LCA, verfolgt jedoch das Ziel, die Berechnung und Vergleichbarkeit innerhalb der EU stärker zu standardisieren und zu harmonisieren.
Wie eine LCA betrachtet auch der PEF mehrere Umweltwirkungskategorien – im EU-Kontext in der Regel ein festgelegtes Set von bis zu 16 Wirkungskategorien, darunter Klimawandel, Versauerung, Eutrophierung, Feinstaubbildung, Ressourcen- und Landnutzung. Anders als bei klassischen LCAs sind zentrale Modellierungsentscheidungen jedoch nicht frei wählbar, sondern durch die Methodik und produktspezifische Regeln klarer definiert.
Eine zentrale Rolle spielen dabei die sogenannten PEF Category Rules (PEFCRs). Diese legen für bestimmte Produktgruppen verbindlich fest, welche Systemgrenzen, Datenanforderungen, Annahmen und Wirkungskategorien anzuwenden sind. Ziel ist es, die oft sehr unterschiedlich durchgeführten LCAs vergleichbarer zu machen und eine konsistente Grundlage für Umweltinformationen im EU-Binnenmarkt zu schaffen.
Wie unterscheiden sich PCF, LCA und PEF?
Der Kernunterschied liegt im Umfang (eine Kategorie vs. viele) und in der Regelstrenge (freiere LCA vs. stärkeres EU-Regelwerk).
Kriterium | PCF | LCA | PEF |
Primärer Zweck | Klimawirkung (CO₂e) | Ganzheitliche Umweltbewertung | Harmonisiertes EU-LCA-Regelwerk |
Umfang | 1 Wirkungskategorie | mehrere Kategorien (methodenabhängig) | i. d. R. Set definierter EF/PEF-Kategorien |
Norm/Referenz | ISO 14067 | ISO 14040/14044 | EU-PEF + PEFCR-Regeln |
Vergleichbarkeit | mittel (stark abhängig von Annahmen) | variiert (stark abhängig von Annahmen) | höher (durch PEFCR-Spezifizierung) |
Was sind EPD und DPP?
EPD und DPP sind keine eigenen Bewertungsmethoden wie PCF, LCA oder PEF – sie dienen der strukturierten Bereitstellung und Kommunikation von Umweltinformationen.
Eine Environmental Product Declaration (EPD) ist eine Typ-III-Umweltdeklaration nach ISO 14025. Sie veröffentlicht die Ergebnisse einer zugrunde liegenden LCA in einem standardisierten und in der Regel extern verifizierten Format. EPDs werden heute vor allem im B2B-Bereich genutzt, etwa in Ausschreibungen, im Bauwesen oder in der öffentlichen Beschaffung. Neben Umweltkennzahlen (z. B. aus LCA oder PCF) können sie zusätzliche produktrelevante Informationen enthalten, etwa technische Spezifikationen, Szenarien zur Nutzung und Entsorgung oder Hinweise zur Recyclingfähigkeit. Grundlage für ihre Erstellung sind sogenannte Product Category Rules (PCR), die festlegen, welche Inhalte berichtet werden müssen.
Der Digital Product Passport (DPP) ist dagegen ein digitales Informationssystem im Rahmen der EU-Ecodesign-Verordnung (ESPR). Ziel ist es, produktbezogene Daten zu Nachhaltigkeit, Kreislauffähigkeit und regulatorischer Konformität digital und maschinenlesbar bereitzustellen. Ein DPP kann Daten aus PCF-, LCA- oder PEF-Berechnungen integrieren und perspektivisch auch Inhalte klassischer EPDs digital abbilden. Er ist damit weniger ein Berichtsdokument als vielmehr eine digitale Infrastruktur für transparente und vergleichbare Produktinformationen im EU-Markt.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen LCA und PCF?
Der Unterschied zwischen LCA und PCF liegt im Umfang der Umweltbewertung. Eine Life Cycle Assessment (LCA) nach ISO 14040/14044 analysiert mehrere Umweltwirkungen über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts, darunter Klimawandel, Versauerung oder Ressourcenverbrauch. Der Product Carbon Footprint (PCF) hingegen betrachtet ausschließlich die Treibhausgasemissionen eines Produkts gemäß ISO 14067 und fokussiert sich damit nur auf die Klimawirkung.
Ist eine Ökobilanz das Gleiche wie eine LCA?
Ja, eine Ökobilanz ist die deutsche Bezeichnung für eine Life Cycle Assessment (LCA). Beide Begriffe beschreiben die systematische Analyse der Umweltwirkungen eines Produkts oder einer Dienstleistung über den gesamten Lebenszyklus hinweg – von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung. Die methodische Grundlage bilden internationale Standards wie ISO 14040 und ISO 14044, die Ziele, Systemgrenzen und Bewertungsmethoden definieren.
Ist die PEF-Methode in der EU verpflichtend?
Die Product Environmental Footprint (PEF)-Methode ist derzeit nicht allgemein verpflichtend, wird jedoch von der Europäischen Kommission als harmonisierte Bewertungsmethode gefördert. Im Rahmen regulatorischer Initiativen wie der Ecodesign for Sustainable Products Regulation (ESPR) kann PEF künftig in bestimmten Produktgruppen verbindlich werden. Die EU verfolgt damit das Ziel, Umweltinformationen vergleichbarer und transparenter zu machen.
Was ist der Unterschied zwischen PEF und PCF?
Der Unterschied zwischen PEF und PCF besteht im Bewertungsumfang und im regulatorischen Kontext. Der PCF misst ausschließlich Treibhausgasemissionen eines Produkts gemäß ISO 14067. Die PEF-Methode der EU-Kommission hingegen bewertet mehrere Umweltkategorien, darunter Klimawandel, Wasserverbrauch und Ressourcenknappheit, auf Basis einer standardisierten LCA-Methodik. PEF zielt besonders auf europaweit vergleichbare Umweltinformationen ab.
Wie berechnet man den Product Carbon Footprint (PCF)?
Der Product Carbon Footprint wird berechnet, indem alle relevanten Treibhausgasemissionen entlang des Produktlebenszyklus erfasst und in CO₂-Äquivalente umgerechnet werden. Grundlage ist meist ISO 14067. Zunächst werden Systemgrenzen definiert (z. B. cradle-to-gate oder cradle-to-grave), anschließend Aktivitätsdaten erhoben und mit Emissionsfaktoren multipliziert. Das Ergebnis ist die gesamte Klimawirkung eines Produkts in kg CO₂e.
Was ist der Digitale Product Pass (DPP)?
Der Digitale Product Pass (DPP) ist ein digitales Informationssystem, das im Rahmen der EU-Ecodesign-Verordnung (ESPR) eingeführt wird. Er soll strukturierte Daten zu Nachhaltigkeit, Materialzusammensetzung, Reparierbarkeit und Umweltwirkungen eines Produkts bereitstellen. Ziel ist es, Transparenz entlang der Lieferkette zu erhöhen und Kreislaufwirtschaft zu fördern. Umweltkennzahlen wie PCF oder PEF können Teil des DPP sein.






